Soziale Arbeit

(Jubiläums-)Editorial – 30 Jahre Schwarzer Peter

«Du musst einfach wirklich wollen» oder einfacher: «Du bist selbst schuld und eigentlich musst du dein Leben auch selbst wieder in den Griff bekommen». – Derartige Meinungen und Haltungen sind verbreitet und doch haben sie keinen Anspruch auf Wahrheit. Ob und wie wir unser Leben bestreiten, ob wir (temporär) scheitern, oder zu den Gewinnern der Gesellschaft gehören, ist mitnichten einzig von uns selbst abhängig. Ob wir überhaupt in der Lage sind, die geforderte Leistung zu erbringen, hängt ebenso wie die Chancen, diese Leistung zu nutzen in grossem Masse von unserer Umwelt ab.

Ob unser familiärer Hintergrund Möglichkeiten zur Entfaltung bietet, oder Entwicklungen hemmt. Ob wir bei der Stellensuche aus purem Zufall auf einen «besseren» Konkurrenten treffen oder nicht. Ob und in welchem Moment wir der Liebe über den Weg laufen und wie sich diese entwickelt, können wir nur sehr eingeschränkt mitbestimmen und damit ist uns konsequenter Weise auch die Möglichkeit genommen, die Verantwortung dafür zu übernehmen.

Doch auch ohne diese Eigenverantwortung ist es letztlich unser Leben, es sind unsere Entscheidungen und es ist unsere Zukunft. Für Menschen, die das Angebot des Schwarzen Peter in den letzten 30 Jahren genutzt haben, ist dies in keiner Weise anders als für alle andren auch. Einem grossen Teil von ihnen ist das Leben in seiner Härte begegnet. Einige nutzten Chancen, die sich ergeben haben und stehen heute auf der Sonnenseite des Lebens, während andere noch immer auf eine solche Möglichkeit warten.

All diese Menschen haben die letzten 30 Jahre den Schwarzen Peter geprägt – nicht weil sie sich unabhängig von ihrer Umwelt für den Schwarzen Peter entschieden haben, aber auch nicht aus Zwang. Sie fanden im Schwarzen Peter die Solidarität und Unterstützung, die nötig war und ist, weil wir alle nicht für alles in unserem Leben Verantwortung übernehmen können. Sie fanden jedoch auch Freiheit und Selbstbestimmung, weil wir alle trotz allem fähig sind Dinge zu verändern, wenn auch nicht alles, so doch einiges.

Der Schwarze Peter konnte in den letzten 30 Jahren solche Möglichkeiten der Veränderung schaffen. Dies gelang jedoch nur dank der tatkräftigen Unterstützung von Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und nicht zuletzt dank dem unermüdlichen Einsatz der Gassenarbeiterinnen und Gassenarbeiter. Daher ein grosses Dankeschön an alle Spenderinnen und Spender, an die Vereinsmitglieder und die vielen Freiwilligen, die uns unterstützt haben.

Andreas Wyss, Vorstandspräsident

>>> gesamte Jubiläumsausgabe PETER