Politik

Hu·ma·nịs·mus: Zu meinem Abschied vom Schwarzen Peter, Verein für Gassenarbeit Basel

Was wäre, wenn SoziologInnen denselben Einfluss wie ÖkonomInnen hätten, fragte die New York Times kürzlich und zeichnete ein Szenario, in dem das menschliche Leben mit seinen Wechselwirkungen Ausgangspunkt von Entscheidung und Betrachtung ist.

Doch das politische Handeln hat eine andere Bewertung gefunden: Geld. Auch bei uns in Basel werden Massnahmen primär nach finanziellen Konsequenzen bewertet. Erfolg ist für die einen, wenn wir weniger Geld ausgeben. Für die anderen liegt der Erfolg darin, der finanziellen Ungleichheit etwas entgegengesetzt zu haben.

Klar ist, dass Staat und Gesellschaft nicht unendlich Ressourcen haben und mit ihnen sinnvoll umgehen müssen. Klar ist auch, dass finanzielle Ungleichheiten ein gesellschaftliches Problem darstellen. Aber es ist fahrlässig, jedes Phänomen einer ökonomischen Bewertungsskala zu unterwerfen – und diese zur Entscheidungsgrundlage zu machen.

Ich wurde während meiner Zeit im Vorstand des Schwarzen Peter von vielen gefragt, wieso ich mich engagieren würde, was ich dafür bekäme, was mein Nutzen sei. Sicher habe ich beruflich von meiner Rolle als Vorstandsmitglied profitiert, doch meine Motivation war komplexer. Ich traf spannende Menschen, mein Selbstwertgefühl wurde gestärkt, ich erfuhr Nähe wie auch Abneigung. Ich konnte in mir sonst verschlossene Welten schauen. Ich konnte helfen. Diese Arbeit gab meinem Leben Sinn. Es war eine spannende Zeit jenseits einer ökonomischen Bewertung.

Auch die Bedürfnisse unseres Klientels lassen sich nicht finanziell messen, denn es ist nicht nur Geld, das fehlt: Es fehlt an Zuneigung, Gerechtigkeit, Verständnis, Perspektive, Liebe, Achtung und vielen anderen Dingen.

Es ist auch nicht so, dass mit einer Spende an den Schwarzen Peter diese Dinge einfach möglich werden, nein, es braucht mehr (Geld nehmen wir trotzdem dankend an und brauchen es auch). Es ist eine grundlegend humanistische Perspektive, die wir einnehmen müssen. Es ist die Perspektive, dass sich Menschenleben nicht in Geld aufwiegen lassen. Es ist eine Haltung, die sich im Alltag zeigt. Wir haben die Verpflichtung, uns im Geiste der Geschwisterlichkeit zu begegnen, denn wir sind eine einzige Menschheit. Jeder und jede einzelne ist es wert, dass wir uns für sie oder ihn einsetzen. Das ist gar nicht so schwer. Wenn Sie das nächste mal beim Bahnhof SBB um ein paar Franken gebeten werden, denken Sie daran: Respekt, Anstand und Achtung kann man auch dann vermitteln, wenn man kein Geld gibt.

Herzlichen Dank für die spannende Zeit. Ich werde weiterziehen und trete als Präsident zurück. Ich wünsche allen viel Glück und Freude.

Andreas Wyss, Präsident Schwarzer Peter

(Auszug aus unserer Zeitschrift, dem PETER Mai 2017)